Rückschau Supermoto of Nations in Pleven, Bulgarien

Der Erlebnisbericht von Klaus "nopa" Wolters in ehrenamtlicher Mission.

20081023_0003_nopa.jpgEtwas später als gewohnt, aber besser spät als nie. Der Schreiber dieser Zeilen hatte ebenso wie der Betreiber dieser Seite einen vollen Terminkalender in den letzten Wochen. Erst galt es, das DM Finale in St. Wendel zu beobachten, dann wurde ich öffentlich rasiert und einen Tag später durfte ich den Transporter mit dem Geraffel für die Fahrer des deutschen Teams via Österreich, Ungarn und Rumänien nach Pleven, Bulgarien fahren. Zum Glück war ich nicht allein, 36 Stunden abenteuerlichster Fahrt sind eher was für ein Team. Danke fürs Mitfahren an Michael Fröhlich, gute Seele aus der ADAC Truppe rund um die Supermoto DM. Nach den SMoN ging es auf fast demselben Weg wieder zurück und beinahe ohne Pause zu den Super Six an den Harzring. Der geneigte Leser möge mir ob der unglaublichen Eindrücke, die in den letzten zwei Wochen auf mich eingestürmt sind verzeihen, wenn der Bericht über das deutsche Team bei den Supermoto of Nations erst jetzt erscheint. Zeitnah wäre besser, aber eben nicht möglich unter diesen Umständen.

 

Also von vorne. Die ursprünglich geplanten zwei Teams kamen aus verschiedenen Gründen nicht Zustande; Verletzungen, Meisterschaftsambitionen in Österreich und Terminverpflichtungen auf der INTERMOT standen leider einer Teilnahme der allerbesten Fahrer im Weg, man könnte auch sagen, der Termin für die SMoN war etwas unglücklich gewählt. Im nächsten Jahr soll das Event denn auch erst nach der WM stattfinden.

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S1 - Jan Deitenbach S2 - Nico Joannidis Open - Dirk Spaniol

Statt der geplanten Fahrer ging also der alte Wilde Dirk Spaniol an den Start, unterstützt von zwei jungen Wilden, Jan Deitenbach und Cupwinner Nico Joannidis. Das Team traf am Donnerstag per Luftpost ein und erkundete am Freitagmorgen sogleich das Fahrerlager und natürlich die spektakuläre Strecke. Eine Strecke ohne Offroadanteil, aber trotzdem mit Sprüngen und Anliegern, die allerdings eher Steilkurven gleichen und auch so zu fahren sind. Unendliche 1750m lang, mit 4 Sprüngen, einem Waschbrett und zwei Steilkurven ausgestattet, liegt die Piste auf einem Luftwaffenstützpunkt nahe der Stadt Pleven.

Am Samstag galt es dann, nach nur einem freien Training, im Zeittraining für jeden Fahrer eine gute Startposition für das Qualifying Race zu ergattern, in dem letztlich die Startpositionen für die Rennen am Sonntag ausgefahren würden. Jan Deitenbach musste in der Klasse S1 als Erster ran und machte seine Sache richtig gut, er sicherte sich den fünften Startplatz im 14-köpfigen Teilnehmerfeld. Nico nahm sich ein Beispiel und enterte Startplatz 6 für das Qualifying Race in der S2 Klasse. Ebenfalls Platz 6 sprang für Dirk Spaniol heraus, der in der Open Klasse antrat und am Morgen im freien Training noch Platz 3 belegt hatte.

Am Nachmittag dann starteten die Qualifying Races, beginnend mit der S1 Klasse.
20081023_0009_nopa.jpgJan Deitenbach konnte seinen Startplatz bis ins Ziel retten, er wurde Fünfter hinter Ivan Lazzarini (Italien), Sylvain Bidart (Frankreich), Matthew Winstanley (Großbritannien) und Alexander Georgiev (Bulgarien). Im Rennen der S2 wurde Nico Joannidis gleich in der ersten Runde angefahren und musste ausscheiden, sein rechter Fuß war dick geschwollen und ließ sich nicht so bewegen, wie er es hätte tun sollen, wenn der Junge schnell Motorrad fahren soll. Die Diagnose am Montag lautete auf Fissur im Schienbein, Nico konnte aber seine beiden noch ausstehenden Rennen dennoch fahren. Platz 14 für ihn im Qualifying Race, das war also das deutsche Streichergebnis. Den Lauf gewann Davide Gozzini (Italien) vor Ales Hlad (Bulgarien) und Adrien Goguet (Frankreich).

Dirk Spaniol war jetzt so richtig heiß und knallte seine Suzuki um den Kurs, als sei er der junge Wilde, das Resultat war ein vierter Platz hinter Attila Pignotti (Italien), Jiri Bocek (Tschechien) und Rosen Tonchev (Bulgarien). Somit sprangen für das Team Deutschland für den Sonntag jeweils die Startplätze 6 und 20 heraus, beim Supermoto der Nationen fahren immer zwei Klassen gleichzeitig und die Startplätze werden Klassenweise vergeben. Also startet ein deutscher Fahrer von Startplatz 6, der sich durch die Qualifikation für das deutsche Team ergeben hat, und der zweite startet von der zweiten Startposition sechs, bei 14 Teilnehmern je Klasse also von Startplatz 20. Kompliziert? Nicht wirklich, nur eben anders als sonst.

Am Sonntag wurde es dann Ernst für unsere jungen und alten Wilden, die Rennen standen an.
Zuerst starteten die Klassen S1 und S2 miteinander, auf Position 6 ging Jan Deitenbach an den Start, Nico Joannidis musste sich mit Startplatz 20 begnügen. Beide kamen am Start nicht wirklich gut weg, machten aber wieder Plätze gut, um sie anschließend wieder zu verlieren. Bei der Zieldurchfahrt belegten sie die Plätze 16 (Deitenbach) und 21 (Joannidis).
Den Lauf gewann Lazzarini (Italien) vor Georgiev (Bulgarien) und Winstanley (Großbritannien).

20081023_0008_nopa.jpgIm zweiten Rennen des Tages gingen die Klassen S2 und Open auf den Kurs, diesmal startete Dirk Spaniol von 6 und Joannidis wiederum von 20. Spaniol kämpfte wie ein Löwe und brachte den 8ten Rang nach Hause und auch Joannidis war jetzt richtig wach und zeigte seine Qualitäten. Zwischenzeitlich belegte er sogar Rang 13, machte aber kurzzeitig Bekanntschaft mit dem bulgarischen Asphalt und beendete das Rennen als 18.
In diesem Rennen gewannen wieder die Italiener in Person von Davide Gozzini vor Chris Hodgson (GB) und Adrien Goguet (Frankreich).

Den Abschluss des Events bildete das Rennen der Klassen S1 und Open, diesmal musste Spaniol von Platz 20 aus ins Rennen gehen, während Jan Deitenbach von seinem gewohnten Platz Nummer sechs ins Rennen ging. Wieder wurde heftig gefightet, Deitenbach rettete den 9. Platz ins Ziel und Spaniol gelang es, trotz versagender Vorderradbremse bis auf Platz 11 nach vorne zu preschen. Bei diesem Parforceritt gelang es ihm auch, die schnellste Zeit (teamintern) an diesem Wochenende in den Asphalt zu brennen.
20081023_0011_nopa.jpgDiesen Lauf gewannen die Franzosen, Sylvain Bidart setzte sich vor Matthew Winstanley und Ivan Lazzarini durch. Allerdings gelang es Attila Pignotti, sich von Platz 15 auf Platz 4 durchzukämpfen und so retten die Italiener den Titel für sich. Zweiter in der Gesamtwertung wurden die Franzosen, Dritter die Bulgaren, wohl das Überraschungsteam des Wochenendes. Ales Hlad erklärte dies damit, dass die Strecke wirklich sehr speziell sei und das Team reichlich Gelegenheit hatte, dort zu trainieren. Andrea Bartolini, der italienische Teamchef, zeigte sich glücklich über den Sieg, räumte aber ein, mit 3 WM Fahrern auch optimale Voraussetzungen gehabt zu haben. Der französische Teamchef brüskierte seine Fahrer mit der Äußerung, wenn die Chareyre Brüder dabei gewesen wären, sähe das Ergebnis sicher anders aus.

Team Deutschland belegt einen respektablen sechsten Platz, ob es mit dem ursprünglich geplanten Team besser gelaufen wäre, steht irgendwo, vielleicht in den Sternen........

Ich bedanke mich beim Team für die herzliche Aufnahme und dafür, dabei gewesen sein zu dürfen.

Klaus "nopa" Wolters

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