Van den Bosch und Gozzini regierten den WM Auftakt

20100502_queens_2829Castelletto di Branduzzo ist den meisten Fahrern aus der WM sehr geläufig. Selbst nun, da die Bahn mit einem permanenten Asphalt versehen ist, hat fast jeder schon seine Erfahrung mit der Sky-Section, wie es bei Youthstream betitelt wird, machen dürfen. Denn immerhin war diese Bahn Schauplatz zum Auftakt der Italienischen Meisterschaft, an der ein Großteil der WM- und EM-Fahrer teilnehmen. Auch die neuen Goldentyre Pneus sind schon fast gewohnte Ware. Denn Goldentyre hat für 2010 gleich zum Doppelschlag ausgeholt und ist auch in der Italienischen Meisterschaft als Pflichtmarke vertreten.
Sechs Reifen darf jeder Fahrer während eines Wochenendes beziehen. In Castelletto ging man schon von Anfang an davon aus, dass es spätestens am Sonntag regnen würde, weshalb ein Satz schon direkt für die Regenvariante herhalten musste. Vier waren somit übrig, was dazu führte, dass die freien Trainings nur sehr spärlich genutzt wurden. Vereinzelt tauchten Fahrer auf der Bahn auf. Nur selten konnte man jemanden dabei beobachten, dass er eine Sektion im Spurt durchlief. Ivan Lazzarini (Honda/I) sparte beide freien Trainings komplett.

 

Im Zeittraining knallten sich die Jungs dann aber mit Anlauf die Zeiten um die Ohren. Thierry van den Bosch (Aprilia/F) war schnellster der insgesamt 24 Fahrer und bestätigte diese Leistung auch in der annähernd überflüssig gewordenen Superpole des Sonntag Morgen. Überflüssig daher, weil die Startaufstellung nach Zeittraining und Superpole nur für das erste der nun drei Läufe des GPs zählt. Der zweite Lauf startet auf Basis des Ergebnis vom ersten und der dritte Lauf logischerweise nach dem des zweiten Rennens. Wer richtig gut Schritt halten konnte war Davide Gozzini (TM/I), nun auf der kleinen TM unterwegs. Er lag von den Zeiten her immer ganz knapp hinter VDB und war das lodernde Fünkchen Hoffnung, dass jemand den selbsternannten Mr. Supermoto einfangen könnte. Thomas Chareyre (TM/F), der von Husqvarna in TM Dienste gewechselt ist, stand als Dritter im Bunde der Superpole Kandidaten, zu denen sich abschließend noch Ivan Lazzarini reihte. Ein aufgeblühter Eddy Seel (Suzuki/B) belegte Rang fünf im Zeittraining und war immerhin ein-einhalb Zehntel schneller als Bernd Hiemer (KTM/D), vor Giovanni Bussei (Honda/I), Adrien Chareyre (Husqvarna/F). Mauno Hermunen (Husqvarna/FIN) belegte Rang zehn, hinter Elia Sammartin (Honda/I), welcher sich nicht schämte die Front einer Ducati Hypermotard an seine Honda zu basteln um weniger Strömungswiderstand zu bieten.

 

Rennen 1

20100502_queens_3131VDB ließ seine Aprilia als erstes ins Eck, dicht gefolgt von Davide Gozzini, welcher sich gleich im Heck des Franzosen festgebissen hatte. Hiemer und Thomas Chareyre folgten mit etwas Abstand zu den zweien an der Spitze, wobei der kleine Chareyre in der siebten Runde überholte und Hiemer den vierten Rang überließ. Mit etwas Abstand zu den beiden war Ivan Lazzarini unterwegs. Der Honda Pilot hatte in beide Richtungen genügend Puffer und tauchte im Renngeschehen nur als stationäre Position auf - Fünfter! Van den Bosch fuhr bärenstark und tadellos. Jeden Ansatz von Schwäche hätte Gozzini sofort ausgenutzt. Der stand während des gesamten Rennens Gewehr bei Fuß und lauerte nach jeder Attacke vergebens auf einen Fehler des Weltmeisters. Mauno Hermunen, der sich stets mürrisch über den Mangel an echtem Offroad äußerte, wurde hinter seinem Teamkollegen und S2-Weltmeister Adrien Chareyre Achter. Die beiden ließen sich in der Asphalt-Arena vom Hang-Off Spezialisten Giovanni Bussei herbrennen.

S1 Rennen 1 Top Ten: 1. Thierry van den Bosch (FRA, Aprilia), 20:24.977; ; 2. Davide Gozzini (ITA, TM), +0:00.224; 3. Thomas Chareyre (FRA, TM), +0:08.218; 4. Bernd Hiemer (GER, KTM), +0:08.462; 5. Ivan Lazzarini (ITA, Honda), +0:15.885; 6. Giovanni Bussei (ITA, Honda), +0:17.945; 7. Adrien Chareyre (FRA, Husqvarna), +0:19.758; 8. Mauno Hermunen (FIN, Husqvarna), +0:25.639; 9. Elia Sammartin (ITA, Honda), +0:30.941; 10. Eddy Seel (BEL, Suzuki), +0:35.034;

 

Rennen 2

20100502_queens_3639Wieder das gleiche Bild wie schon zuvor. VDB vor Gozzini und Lazzarini. Letzterer kam aber schnell unter Druck, da Bernd Hiemer das Podest erobern wollte. Bernd kam vorbei und konnte sich an die Spitze anhängen, doch ein Sturz und kleinere technische Probleme machten dem Deutschen den Ausblick auf einen ruhmreichen Rennverlauf zunichte. Er fiel in der vierten Runde auf Rang sechs zurück, während Thomas Chareyre, der Lazzarini auch schon hinter sich gelassen hatte, den dritten Rang erbte. Dann hatte Hiemer erneut Schwierigkeiten und Hermunen und Bussei flutschten durch. Bussei, der auf dem schnellen Asphalt von Castelletto di Branduzzo extrem gut zurecht kam, schnappte Hermunen drei Runden vor Schluss noch den fünften Rang weg, während Adrien Chareyre und Ducati-Schnauzen-Fahrer Sammartin unseren Hiemer auf Rang neun durchreichten.

S1 Rennen 2 Top Ten: 1. Thierry van den Bosch (FRA, Aprilia), 20:26.029; ; 2. Davide Gozzini (ITA, TM), +0:02.083; 3. Thomas Chareyre (FRA, TM), +0:02.482; 4. Ivan Lazzarini (ITA, Honda), +0:13.150; 5. Giovanni Bussei (ITA, Honda), +0:17.452; 6. Mauno Hermunen (FIN, Husqvarna), +0:17.949; 7. Adrien Chareyre (FRA, Husqvarna), +0:24.357; 8. Elia Sammartin (ITA, Honda), +0:25.948; 9. Bernd Hiemer (GER, KTM), +0:28.911; 10. Christian Ravaglia (ITA, Aprilia), +0:34.920;

 

Rennen 3

20100502_queens_4334Helle Aufregung vor dem Start. Es tropfte stark und nachdem die ersten Vorboten des Schauers auf dem heißen Asphalt verdampft waren und sich die Bahn vom Regen schwarz färbte, gingen reihenweise die Fragezeichen auf. Wet race, oder gibt es falls es jetzt nachhaltig zu regnen beginnt einen Abbruch und Neustart? Hermunen sah man mit hoffendem Grinsen im Vorstart stehen. Kein anderer im Feld hoffte wohl so sehr, dass jetzt gleich ein sintflutartiger Wolkenbruch los geht. Doch der blieb aus! Die Motorräder wurden zum größten Teil mit Slicks besolt in die Startaufstellung geschoben und während der Wartezeit auf der Startposition ließ der Regen komplett nach. Was bis dahin auf Regenreifen stand wurde hektisch mit Slicks versehen und man sah beim Blick durch die Reihen wie Mechaniker mit Cutter-Messern die Reifendecke ritzten. Nur Andrea Occhini (Suzuki/I) und Ivan Lazzarini pokerten. Sie behielten beide den Regenreifen auf dem Vorderrad - eine schlechte Wahl, welche Occhini mit Platz 20 und Lazzarini mit Rang 13 büsste.
Als es dann endlich los ging, war VDB wieder mit der blauen TM von Gozzini im Heck an vorderster Front anzutreffen. Hermunen lag auf drei, gefolgt von Thomas Chareyre, Lazzarini, Adrien Chareyre und Hiemer. Lazzarini legte aber wie schon erwähnt eine schlechte Halbwertszeit an den Tag und ließ sich schnell durchreichen. An vorderster Front tat sich in diesem Rennen was, da Gozzini es endlich schaffte Van Den Bosch zu bezwingen und einen Sieg, wenn auch knapp, nach Hause zu fahren. Hermunen musste seine dritte Position in der vierten Runde an Thomas Chareyre abgeben. Eine Runde später wurde er im Doppelpack vom zweiten Chareyre und Hiemer überholt, um ganz zum Schluss auch noch Bussei passieren zu lassen. Aus Sicht von Bernd Hiemer war das dritte Rennen ganz passabel verlaufen, wenngleich er sich über das Gesamtergebnis des WM Auftakt nicht sonderlich zufrieden zeigte. Mit dem fünften Platz im dritten Lauf sicherte er sich in der WM-Rangliste ebenso Rang fünf. Ein Status, den Bernd beim kommenden GP in St. Wendel (9.-11. Juli) unbedingt nach vorne ändern möchte.

S1 Rennen 3 Top Ten: 1. Davide Gozzini (ITA, TM), 20:28.563; ; 2. Thierry van den Bosch (FRA, Aprilia), +0:01.150; 3. Thomas Chareyre (FRA, TM), +0:06.048; 4. Adrien Chareyre (FRA, Husqvarna), +0:06.863; 5. Bernd Hiemer (GER, KTM), +0:14.488; 6. Giovanni Bussei (ITA, Honda), +0:17.717; 7. Mauno Hermunen (FIN, Husqvarna), +0:18.920; 8. Christian Ravaglia (ITA, Aprilia), +0:32.589; 9. Fabio Balducci (ITA, Suzuki), +0:34.750; 10. Gérald Delepine (BEL, Kawasaki), +0:35.942;

 

Anmerkung zu Wochenende einer Ikone der Supermoto WM

20100501_queens_1671Der Belgier Gerald Delepine, seines Zeichens zweifacher Supermoto Weltmeister (2005 und 2007), dealte zehn Tage vorm WM Auftakt erst sein endgültiges Fahrzeug aus. Das Kawasaki Nastedo Team ist nun seine neue Heimat. Für Ihn, der seit Anbeginn seiner Supermoto Karriere immer auf dicken Maschinen saß, war die Umstellung auf die 450er und die neue Teamkonstellation offensichtlich noch nicht ordentlich umzusetzen. Rang 18, 14 und 10 liegen sicher nicht in seinem gewohnten Leistungsspektrum.