Bernd Hiemer und Adrien Chareyre - die Weltmeister 2008

08_wm_08the_ktm_02.jpgNach seinem WM-Titel im Jahre 2006 eroberte Bernd Hiemer am vergangenen Sonntag seinen zweiten Titel als Supermoto Weltmeister. Hiemer reiste mit 29 Punkten Vorsprung auf seinen Erzrivalen Thierry van den Bosch nach Griechenland und legte auf dieses Polster noch eins drauf. Schon nach dem ersten der beiden Rennen in Thessaloniki konnte sich der 25-Jährige aus Leutkirch über den Titelsieg freuen. Denn schon mit seinem dritten Platz im ersten Rennen bestand keine Gefahr mehr von VDB in der Meisterschaft eingeholt zu werden. Dennoch trat Hiemer voller Tatendrang beim zweiten Rennen an und gewann es vor Lazzarini und van den Bosch.

Um die beiden Weltmeister ein wenig vorzustellen, folgt anbei die WM-Chronik von Bernd Hiemer und Adrien Chareyre.

 

 

Bernd Hiemer - Asphalt Surfer

08_wm_08the_ktm_01.jpgDie 25-jährige Allgäuer begann seine GP-Karriere im Jahr 2003 in Monza, einer schnellen Strecke mit einer besonderen Drift-Sektion, die den Ursprung für Hiemers Spitznamen „Asphalt Surfer“ bot. Ein Name, der seinen außergewöhnlichen, fast spielerisch anmutenden Fahrstil passend umschreibt.

Die Saison 2003 besiegelte Hiemer mit dem 12. Platz in der WM und dem Titel als S1 Europameister. Im darauf folgenden Jahr wurde er erneut Zwölfter der WM, was aber durch eine Handverletzung beeinträchtigt war.

2005 kam Bernd dann zum Red Bull KTM Team und nutzte alle Möglichkeiten eines Werksfahrers. Damals begann die Betreuung durch das Red Bull Trainingscenter und der Junge wurde richtig ins Lot gestellt. Er riss seinen ersten GP-Sieg im österreichischen Melk an sich und verpasste den WM-Titel damals nur um 9 Punkte. Gerald Delepine wurde Meister in der S1-WM und Hiemers damaliger Teamkollege Thierry van den Bosch erntete nach Verletzung noch den dritten Platz.

Eine KTM-Team Fehde zwischen Hiemer und VDB schien für die Saison 2006 unausweichlich, doch VDB wechselte Team und Klasse. Hiemer sog damals fünf GP Siege an sich und gab die rote Nummerntafel des Führenden während der kompletten Saison nicht aus den Händen. Beim vorletzten Renne in Latina holte er vorzeitig die Meisterschaft in der „damaligen“ S1, der Klasse mit den Big-Bikes.

Mit dem Namenswechsel der Klassenbezeichnung innerhalb der Supermoto WM, blieb Hiemer auf dem Papier der Klasse treu, doch er musste sich an eine 450er gewöhnen. Die stellte ihn vor eine harte Debüt-Saison, da Bernd es gewohnt war immer und überall Leistung satt zu haben. Nun musste er anders, „streckenschöpfender“ fahren als zuvor. Dies und die Tatsache, dass er Defizite im Offroad hatte, ließen ihn anfangs der 2007er Saison ein wenig einbrechen. Doch zum Ende meldete er sich zurück und belegte doch noch den vierten Rang in der Meisterschaft.

Nach dem ersten Jahr auf der 450er nannte Hiemer das Ziel beim Namen und meldete sich als WM-Kandidat an. Zu Beginn der Saison lieferte Bernd sich ein Kopf an Kopf Rennen mit Thierry van den Bosch, hatte aber nach der dritten Veranstaltung die Nase vorne und stand mit einer Ausnahme immer auf dem Podium. In Griechenland machte er nun den Deckel drauf und erntete die Früchte seiner konsequenten Arbeit. Im vorletzten Rennen der Saison steckte er sich seinen zweiten Weltmeister-Titel in die Tasche und gewann den Abschluss-GP der Saison.

Bernd Hiemer sagte: "Ich habe während der Saison einige Fehler gemacht. Ich glaube wenn die nicht passiert wären, hätte ich deutlicher dominieren können. Als ich die rote Startnummerntafel hatte konzentrierte ich mich mehr auf die Tabellenführung als auf die GP-Siege. Ich wollte Konstanz zeigen. Nachdem ich dann nach dem ersten Rennen schon den Titel sicher hatte (in Thessaloniki), habe ich mich fürs zweite Rennen noch ein mal ins Zeug gelegt einen Fehler von Thierry genutzt und das Ding gewonnen. Ich danke jedenfalls allen in meinem Team, KTM, unseren Sponsoren und allen die mich in diesem Jahr wieder unterstützt haben."

 

Adrien Chareyre - The Cat

08_wm_08the_ys_01.jpgDie Karriere von Adrien Chareyre steht in enger Verbindung mit Husqvarna. 2003 gab der Hersteller ihm die Möglichkeit sein GP-Debüt (GP of France in Marseille) zu fahren. Seitdem hat er zusammen mit seinem Bruder Thomas (fährt S1) Husqvarna stets die Treue gehalten.

Seine erste GP-Saison (2003) beendete Adrien mit einem enttäuschenden 25ten Platz, der allerdings verletzungsbedingt zustande kam.

Als 2004 die 450er Klasse als S2 eingeführt wurde (heute S1), entschied sich Adrien für diese und hinterließ mit dem fünften Platz seine Duftmarke in Podestnähe.

2005 hatte Adrien dann gegen seinen Landsmann Boris Chambon das Nachsehen. Die Franzosen trennten zum Schluss nur drei Pünktchen. Adrien hatte alles versucht und gewann sogar seinen ersten GP bei der letzten Veranstaltung in Latina, doch es half nichts. Er wurde Vize-Weltmeister.

Ein Jahr später wechselte Thierry van den Bosch in die S2 (450er) und säbelte zusammen mit dem damaligen Teamkollegen Jerome Giraudo an vorderster Front. Adrien Chareyre konnte zwar den GP in Villars sous Ecot gewinnen, doch kam hinter der Aprilia Mannschaft nur auf den dritten Rang in der Meisterschaft.

Diese Erfahrungen prägten Chareyre und er wollte das gelernte im Jahr 2007 zeigen. Er war bei jedem Rennen der Saison in den Top-Five und gewann zwei GPs. Diese ausdauernde Zuverlässigkeit war sein Schlüssel zum Erfolg. Er wurde mit 21 Jahren zum jüngsten Supermoto Weltmeister aller Zeiten gekürt und siegte zusammen mit seinem Bruder Thomas und Thierry van den Bosch bei der Supermoto of Nations für sein Heimatland Frankreich.

Für 2008 wurde Adrien von Husqvarna in der S2 Klasse, neben Weltmeister Gerald Delepine eingesetzt. Während Delepine am Anfang zauderte, klappte es bei Chareyre auf Anhieb hervorragend in der neuen Saison. Er blieb am Tabellenführer Davide Gozzini dran und entriss ihm in Valladolid die Tabellenführung. Das Duo zog während der Saison dem Rest des Feldes davon, doch Chareyre hielt die Führung bis zum Schluss. Mit einem denkbar knappen Vorsprung von 11 Punkten reiste er nach Griechenland, gewann dort das erste Rennen und wurde Sieger des GP. Ein gebührender Abschluss für eine tolle Meisterschaft - der zweite WM-Titel für Adrien Chareyre.

Adrien Chareyre sagte: "Ich wusste, dass ich dieses Wochenende beide Räder auf dem Boden behalten sollte, was ich mit der Pole und der Superpole wohl auch getan habe. Dann haben wir den Kreis geschlossen, indem wir in beiden Rennen alles richtig gemacht haben. Ich möchte diesen Titel gerne Jeannine Seurat widmen! Wenige Tage bevor sie starb sagte ich ihr, dass ich diese Meisterschaft für sie gewinnen werde und ich bin stolz es geschafft zu haben. Mein erster WM-Titel galt ihrem Mann Marcel. Die beiden lehrten mich den Job und ich bin sicher, dass sie von da oben immer noch die GPs genießen.“

Adrien Chareyre wird auch 2009 für Husqvarna in der Supermoto WM antreten, doch für kommende Woche wurde ihm eine Testfahrt auf dem neuen BMW-Superbike angeboten.