Diskussionen in Nendingen - was war los und weshalb?

Die Vorgeschichte - weil es dazu gehört.

20090606_0038_queensVergangenes Jahr gab es nach der Veranstaltung in Garching einige Proteste aus dem Fahrerfeld, dass es nicht zumutbar sei, unter welchen Umständen der Deutsche Supermoto Pokal, ausgetragen wird. Aus allen betroffenen Klassen hagelte es seinerzeit Beschwerden. Das maßgebliche Manko an dem man sich damals rieb waren Unzulänglichkeiten im organisatorischen Ablauf der Veranstaltung. Besonders an der Situation damals war, dass erst ein Wochenende voran der Pokal in Lichtenberg ausgetragen wurde und man dort unglücklicherweise lange Wartezeiten bei der Papierabnahme in Kauf zu nehmen hatte. Leider musste man im klatschenden Regen warten, bis man einzeln in den saunaartigen Container treten durfte. Der restliche Ablauf in Lichtenberg ließ die Gedanken daran schon fast wieder verblassen, doch als man dann in Garching erneut vor Abnahme-Chaos stand und zudem noch auf entsprechende Sanitäre Einrichtungen und zum Reifenwärmen notwenigen Strom verzichten musste, lief dort das Fass über. Damals entgegnete man aus offizieller Position, dass man zukünftig größeres Augenmerk auf die Bedürfnisse der Pokal- und Cup-Klassen legen würde, damit solche Zustände und Organisationsmankos nicht wieder auftreten würden.


Der Promoter - Kümmerer mit mangelnder Manpower

Folgende Vorkehrungen wurden seitens des Promoters, ADAC Saarland, in diesem Zusammenhang getroffen:

  • Entzerrung der Anmeldeprozedur für alle eingeschriebenen Fahrer
  • Verpflichtung des Veranstalters den Zeitnahmeservice des Promoters einzusetzen, um dadurch die Tabellenstände für diese Klassen immer aktuell zu haben
  • Gründung eines Preisgeldtopfes
  • Unterstützung der Pokal-Veranstaltungen durch Mitarbeit des DM-Promoters beim Event
  • Ein Regelwerk, welches dem Pokalveranstalter die Rahmenbedingungen erläutert (Veranstalterleitfaden)

 

In Verbindung mit diesen Dogmen wurden die Hürden zur Durchführung eines Pokalrennens höher gestellt und wie man es am Fall Osnabrück erkennen kann, kommt mancher Veranstalter beim Rechnen ins Grübeln. Der Promoter hat mit Mann und Maus versucht die richtige Basis für den Deutschen Supermoto Pokal zu bauen, muss sich aber an mancher Stelle einfach mangelndes Kümmern vorwerfen lassen. Nicht dass er sorglos mit dem Thema umgegangen sei, doch wenn man die Arbeit von 10 Leuten auf 5 verteilt, gerät man schnell ins Schleudern. Nichts desto Trotz ist das Anmeldeprozedere der vergangenen Jahre nun Geschichte und der eingeschriebene Fahrer darf exzelenten Service erleben. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten stehen 2009 auch die Ergebnisse des Pokal zur Verfügung und sind nach Ende des jeweiligen Rennens bekannt (siehe Menüpunkt Tabellenstände). Ein Beweis dafür, dass der Promoter seinen Ansagen nachkommt.

 

Die Strecke - vom Spatz in der Hand und der Taube auf dem Dach.

20090606_0995_queensWenn ein Pokalwettbewerb nun nach Veranstaltungen ringt, dann drückt man gerne mal ein Auge zu. In Nendingen stand ein junges Team mit einer glänzenden Idee und man brauchte ganz sicher noch einige Wettkampfflächen um das Jahr zu füllen. Wer meint, dass im deutschen Supermoto Sport eine glasklare Gewaltenteilung herrscht, der wird sich über deren Blickdichte wundern. Man muss allerdings dazu sagen, dass es in anderen Motorsportarten nicht zwingend durchsichtiger ist. Um es auf den Punkt zu bringen. Im Supermoto kennt jeder jeden und es arbeiten alle an einer gemeinsamen Sache, wenn es da heißt, dass ganz dringend noch eine Veranstaltung (zu dem damaligen Zeitpunkt wohl eher noch zwei bis drei) benötigt wird, dann sprechen die Gremien darüber. Natürlich ist es in einer solchen Situation nicht richtig beide Augen zuzudrücken, aber eines geht da schon mal. Bevor man eine Strecke als untragbar erachtet, sollte man sich selbst fragen wie man gehandelt hätte. Der Eindruck den die Beteiligten am vergangenen Wochenende in Nendingen bekamen, hatte vorher so keiner.

 

Die Diskussion - sachlich und trotzdem festgefahren.

20090606_0915_queensDer Tag der Wahrheit war gekommen, einige Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Veranstalter und Promoter klärten sich in letzter Sekunde (Thema Personalnot) und von Reibungslosigkeit kann keine Rede sein. Die Strecke wird das erste Mal aufgebaut, erste Mängel in Puncto Sicherheit entdeckt und ausgemerzt, nur eines war nunmal nicht möglich. Man konnte die Bahn nicht breiter pusten. Die kritische Streckenlänge von 700 Metern mit Gelände zeigte sich störriger und riskanter als erwartet, doch nur eine Möglichkeit blieb um den DMSB-Pokalzug aufzuhalten. Ein Abbruch der Veranstaltung. Behauptungen, dass der Sportkommissar die Möglichkeit habe den Wertungsrennen von Pokal und Cup den Status zu entziehen, sind falsch. Fahren, oder die Veranstaltung abblasen. Die Diskussionen um den weiteren Verlauf keimten auf und wurden im Großen und Ganzen fair miteinander ausgetragen. Fahrer versammelten sich und diskutierten ihre Möglichkeiten aus. Die Amateure sahen das alles weniger eng und hielten sich weitestgehend zurück, der Ü-40 Cup kam mit eigenen Ideen, die aber von der Rennleitung nicht akzeptiert werden konnten. (Losung der Startaufstellung um bei den Rennen Show ohne Risiko zu bieten), Junior Cup und S3 hatten keine eigene Lobby und horchten auf die C-Fahrer. In deren Feld konnte man den Unterschied zwischen C1 und C2 deutlich spüren. Die C1 ist eine konkrete Vorstufe zur S-Klasse, wo junge Teilnehmer mit zum Teil nicht geringem Einsatz der Industrie auf jeden Wettstreit angewiesen sind. In der C2 gibt es solche Jungs natürlich auch. Sie sind umringt von reiferen Teilnehmern, die ihre Vorschläge an die Rennleitung brachten und sich durch deren Nichtbeachten ein wenig an den Rand gedrängt fühlten.

Was danach folgte war aus Sicht der verschiedenen Lager betrachtet nachvollziehbar. Im C2 Pokal einigten sich die Top Fahrer und ein großer Teil des Feldes darauf ein Zeichen zu setzen. Man war der Meinung, dass die Bahn für einen Pokallauf nicht geeignet sei und man aus diesem Grunde, nach den Erlebnissen aus 2008 (auch wenn die Streitpunkte andere waren), nun handeln müsse. Die Fahrer brachten den Vorschlag, dass man gerne mit allen Mann Showrennen fahren wolle, aber kein Wertungsrennen. Die Tatsache, dass dies sportrechtlich wirklich nicht umsetzbar war, wurde seitens der Funktionäre entweder nicht eindeutig genug vermittelt, oder das Vertrauen in die Aussagen dieser ehrenamtlich eingesetzten Personen ist im Fahrerfeld nicht stark genug verankert. Beide Möglichkeiten sollten die Parteien zum Nachdenken anregen. Das wahre Ausmaß des Protestes im C2 Pokal machte sich dann aber erst in den Rennen bemerkbar. Von 32 genannten Teilnehmern waren in den Rennen gerade noch etwa 20 übrig, von denen einige, gemäß einer zweiten Absprache im Fahrerfeld, das Rennen kurz vor Schluss durch die Boxenausfahrt verließen. Zu erwähnen, dass die Rennen sehr langweilig anzuschauen waren, ist an dieser Stelle wohl überflüssig.

 

Fazit

Die Strecke war sehr kurz, das Überholen war nahezu unmöglich und wenn nur mit Risiko. Über alle Klassen gesehen ist der Mammut Anteil an Überholvorgängen mit Stürzen des Voranfahrenden in Verbindung zu bringen. Reine Manöver die von Erfolg gekrönt wurden stellten da die Ausnahme dar. Was nachträgliche Diskussionen aufwerfen könnte ist die Tatsache, dass es im Rennbetrieb keine nennenswerten Unfälle gab. Dies ist jedoch eher darauf zurückzuführen, dass alle Teilnehmer sich sehr am Riemen rissen und sich anders als auf manch anderer Bahn, mit Bedacht bewegten.

Vorwürfe sind schnell gemacht und Schuldige sucht und findet man zur Not auch noch. Aber im Grunde gibt es aus einer solchen Erfahrung mehr zu lernen, als man vielleicht denkt. Die C2 Fahrer haben alle das getan was sie für richtig hielten. Die Rennleitung hat getan, was sie zu tun in der Lage war und der Veranstalter kam mit einem blauen Auge davon. Auch das Team von letsdrift.de und MEP Promotion sah erst am Freitag wie eng es tatsächlich auf der Strecke zuging. Dass man dann, nach Monaten der Planung und Umsetzung eines solchen Mega-Event sich nicht hinstellt und die eigens gezüchteten Erbsen aus der Suppe wirft ist nachvollziehbar. Da steht man zu seinem Event und es wäre schlimm, wenn es anders wäre.

Sportlich war es sicher nicht das Beste, was dem Supermoto in Deutschland bisher widerfahren ist, doch von der Aufmachung her war Race in Town ein wahrer Knaller und ein Promotion Schlachtschiff für Supermoto. Eine Erstlingsveranstaltung in Paarung mit zwei attraktiven Partyabenden und obendrein einem zünftigen Volksfest am Sonntag (Festzelt und Strecke waren gerammelt voll) - das muss den Jungs aus Nendingen erst einmal einer nachmachen. Sie wurden gefragt, haben gehandelt und ihre Aufgabe mit Bravour erledigt. Wenn ein kommender Event von dieser Mannschaft angegangen wird, dann werden Kleinigkeiten wie Strom und Toiletten im Fahrerlager ganz sicher kein Thema mehr sein. Race in Town wurde mit so viel Kreativität ins Leben gerufen und umgesetzt, dass man sich fast sicher sein kann im kommenden Jahr auch zur Strecke etwas NEUES zu haben!

 

Der Autor dieses Beitrags war bemüht den objektiven Blickwinkel zur Situation zu wahren und eine entsprechend unvoreingenommene Darstellung zu liefern. Sollte dies an mancher Stelle nicht gelungen sein, dann liegt das an der Natur des Menschen.
gez. Christian Queens